Sprechblase aus Papier

Streitfragen: Zuhören und reden lassen

Andere Menschen treffen, dabei ihre unterschiedlichsten Auffassungen kennen und schätzen lernen und sich im Gespräch mit ihnen wohl fühlen, ist das Salz in der Suppe unserer tagtäglichen Kommunikation. Wie schnell aber ist diese Suppe versalzen und wie plötzlich gerät die Kommunikation mit Anderen aus den Fugen! Eine unerwartete Äußerung zu einer strittigen Frage versetzt die inneren „Meinungsverteidigungskräfte“ in höchste Alarmbereitschaft. Plötzlich steht Meinung gegen Meinung.

Und sofort geht es nicht mehr ums Zuhören und Verstehen, sondern ums Recht haben und behalten, darum, sich zu behaupten oder durchzusetzen. Richtig gegen falsch, gut gegen schlecht, gesund gegen krank, normal gegen verrückt, links gegen rechts, Mann gegen Frau, Gott gegen Gott.

Mit der Reihe „Streitfragen: Zuhören und reden lassen“ lädt die Nauwieser Neunzehn dazu ein, anderen wieder zuzuhören, auch mal andere Meinungen für sich stehen zu lassen, die eigene Meinung zu überdenken bzw. zu erweitern. Alles Dinge, die für eine funktionierende Demokratie bitter notwendig sind und derzeit mehr und mehr verloren gehen, weil man es sich oft in der eigenen Meinung gemütlich macht, sich nur mit Gleichdenkenden umgibt, das gilt insbesondere auch für die sozialen Netzwerke. 

In der Veranstaltungsreihe „Streitfragen – Zuhören und reden lassen“ wird ein Mal im Monat ein „Heißes Eisen“ zum Gesprächsthema gemacht. Es geht um die Erfahrung, dass es zu jeder Streitfrage ganz unterschiedliche Antworten gibt. Dabei werden z. B. Rollenspiele, Kommunikationsregeln und thematische Aufgaben für die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema genutzt.

Die Gespräche eröffnen eine Möglichkeit, in einem vorgegebenen, strukturierten und damit geschützten Rahmen einmal anders mit Themen umzugehen, die im Alltag häufig dazu führen, dass Auseinandersetzungen eskalieren und Vorurteile verfestigt werden.

Sie können durch die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Vielfalt zur Akzeptanz unterschiedlicher Werte und Bewertungen beitragen und dazu verhelfen, Vorurteile abzubauen. Durch die Grundidee des Projekts – nämlich andere Meinungen nicht zu diffamieren, sondern zu lernen, verschiedene Meinungen nebeneinander stehen zu lassen – werden mithilfe der aktiven Einübung von Regeln gewaltfreier Kommunikation Toleranz und Demokratieverständnis aktiv gefördert.

Durch die sachbezogene Auseinandersetzung mit den jeweiligen „Streitfragen“ und die Reflexion des eigenen Gesprächsverhaltens verändert sich auch der Umgang mit Konflikten.

Die „Streitfragen“ Veranstaltungen finden im N.N. Nauwieser 19 statt. Sobald die Pandemie-Entwicklung es zulässt, werden die Termine monatlich bekanntgegeben. Moderiert werden die „Streitfragen“ von Christoph Jost.

 

2021
Kultur- und Werkhof
Nauwieser 19 e.V.