Plakate an den Fenstern der Beratungsstelle profamilia mit verschiedenen Forderungen

Kinder für Gott und Vaterland?

Die „Lebensschutz“-Bewegung und ihr Angriff auf das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung. Recherche und Fachtag.

 

Seit Jahren demonstrieren verschiedene religiöse und/oder rechtskonservative Gruppen, u.a. die Pius Brüder, in Saarbrücken immer wieder gegen das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung. Sie treffen sich dazu vor dem Haus, in dem sich die Beratungsstelle der pro familia Saarbrücken und das Medizinische Zentrum der pro familia in Saarbrücken befinden. Jedes Jahr im November startet außerdem ein „Gebetszug“, der sogenannte „Marsch für das Leben“, vor diesem Gebäude zum Kundgebungsplatz in der Innenstadt.

Die Aufrufe zu diesen Veranstaltungen werden von unterschiedlichen Gruppierungen, insbesondere aus dem ultakonservativen bis fundamentalistischen christlichen Spektrum unterzeichnet . Die Problematik besteht nicht nur darin, dass diese Gruppierungen das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung angreifen, sondern dass  sie u.a. über das Thema Demografie den Schulterschluss mit Nationalisten und Rechtsextremen suchen. Als ideologische Brücke fungiert der geteilte Wunsch nach Restauration der patriachalischen Familie mit traditioneller Rollenverteilung und Geschlechterverhältnissen als Ausdruck einer „natürlichen“ Ordnung.

Wer genau attackiert in der oben beschriebenen Form das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung und die pro familia als Organisation, die sich für sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung einsetzt? Um ihnen gezielter entgegentreten zu können, muss man die Argumentationsketten und Hintergründe besser verstehen.

Es geht außerdem darum, besser unterscheiden zu können, wo die Trennlinie zwischen rechtskonservativen, ethno-nationalistisch orientierten Christ:innen auf der einen Seite und progressiven Christ:innen auf der anderen Seite verläuft, um bei letzteren ggfs auch Unterstützer:innen für die Sache, d.h. die reproduktive Selbstbestimmung, zu gewinnen.

Auch unkritisch sich Anschließende sollen sensibilisiert werden. Das Projekt soll aufzeigen, dass diese Gruppierungen:
• demokratiefeindlich agieren, zum Beispiel dadurch, dass unwissenschaftliche Befunde als Wahrheiten dargestellt werden.
• grundlegende Menschenrechte angreifen und damit in Konflikt stehen mit der UN Frauenrechtskonvention.
• oftmals klassistisch und rassistisch motiviert ist, da deren Kampagnenarbeit vor allem auf Frauen abzielt, die sozial schwach sind und/oder Migrationshintergrund haben.

Schließlich soll das Projekt ein Bewusstsein schaffen für intersektionale Diskriminierungsstrukturen, die den Rahmen bilden für diese Kampagnenarbeit.

Das Projekt leistet einen Beitrag zur Demokratie und Menschenrechtsbildung indem es die Ideologie der Abtreibungsgegner:innen offen legt und ihre bestenfalls traditionalistische, schlimmstenfalls frauenfeindlichen und menschenverachtende Haltung enttarnt.

Ein großer Baustein des Projektes wird Recherchearbeit sein. Ergänzt werden soll die  Recherche des schriftlich vorliegenden Materials durch Expert:inneninterviews.  

Auf der abschließenden Fachtagung sollen die Ergebnisse diskutiert und als Grundlage für die Erarbeitung von Handlungskonzepten im Alltag, vor allem für die Arbeit der pro familia, genutzt werden. Zur Fachtagung werden weitere Expert:innen eingeladen, die sich mit religiös-motivierter Demokratiefeindlichkeit wissenschaftlich und aktivistisch auseinandergesetzt haben.

2021
pro familia Saarbrücken